Die Sonne warf lange Schatten und ein tiefes Rot am Horizont kündigte den Abend an. Die große Terrasse erinnerte an eine Naturbühne, die sich in einen weiten, leeren Raum erstreckte, als trete man torlos in den Himmel.
Vermutlich muss man ein gewisses Alter erreicht haben, um bei einer Flasche Wein den Sonnenuntergang zu genießen. Und so überließ ich mich schlürfend der Kontemplation und genoss das Wechselspiel des Lichtes ohne meinen Standort zu verlassen.
Aus der Tiefe des Horizontes wehte das monotone Tuckern eines Fischerbootes herüber. Einlullend war das Geräusch, als stellte es die Harmonie her zwischen der im Westen untergehenden Sonne und dem aufgehenden Mond. Das war die Zeit der Dämmerung. Das Boot, die Silhouette eines Scherenschnittes, orientierte sich an der Linie des Horizontes, als bewegte es sich vorsichtig tastend über ein gespanntes Seil.
Die Farbnuancen des Himmels allerdings wollten ständig beobachtet werden, wenn man an dem Farbwechsel teilhaben wollte, um dann doch plötzlich feststellen zu müssen, dass es dunkel geworden war, als wäre man selbst gar nicht dabei gewesen.
Aus einem schwarz-silbernen Hindergrund heraus legte sich der Mond auf das Meer und hob sich vom Wasser blendend ab.
Mich allerdings umwehte eine Art Melancholie oder die unsinnige Lust auf das Dach zu klettern, um die Sterne anzurufen. Aber das Universum kommt auch ohne die Welt aus und die Welt ohne die Menschen, dachte ich und blieb sitzen.
In der unendlichen Ferne zwischen den Fixsternen war der hell erleuchtete Globus zu sehen. Aber die Erde war nur jämmerlich klein und einsam.
Und ich saß hier unten, jenseits der Weite des Himmels und kämpfte mit der Schwerkraft meines Kopfes. Ich war betrunken und vielleicht sogar glücklich, wenn meine Fantasie die Schwerkraft überwand. Noch nie zuvor kam mir die Welt so rund vor. So rund und schwer.

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