Lesungen M. Knoll
DORINT-Hotel, Arnsberg-Neheim, 26.04.2008
Landhaus Zum Raben, Kallenhardt, 27.09.2009

Vernissage, Marlene Richter im Landhaus: “Zum Raben” in Kallenhardt. Am Sonntag, den 27. September hatten Martina Mülheims und Ulrich Wolfkühler in die Kunstgalerie des Kallenhardter Landhauses zur Vernissage anläßlich der Ausstellung von Marlene Richter eingeladen. Etwa 50 geladene Gäste waren der Einladung in das herbstliche Sauerland-Bergdorf gefolgt.
Die Laudatio hielt der bekannte Bild-Journalist Elmar Bamfaste. (siehe auch nachstehenden Text)
Als besonderen Gast hatten die Veranstalter Dr. Mathias Knoll zur Eröffnung der Kunstausstellung eingeladen, mit einer launigen Autorenlesung traf der in Neheim praktiziere Arzt genau den Geschmack der angereisten Gäste.
Elmar Bamfaste über Marlene Richter:
Ihre Arbeiten fanden schon Beachtung in Herford, Gütersloh, Düsseldorf und im kunstverwöhnten Paris. Jetzt erfreut sie mit ihren Werken die Gäste der Raben-Galerie, die Diplom-Designerin und Malerin Marlene Richter. Die heute in Gütersloh wohnende und arbeitende Malerin wurde in Bad Pyrmont geboren. 8 Semester studierte sie an der Fachhochschule für Design in Bielefeld, wo sie sich nach dem staatlichen Abschluss als graduierte Designerin sechs weitere Semester der freien Malerei widmete. Es folgten zwei Jahre als Kunsterzieherin am Gymnasium in Gütersloh und an der Bielefelder Universität ein Philosophie-Studium. Soweit ein kurzer Blick in die weitaus umfangreiche Vita der Kunstschaffenden.
Schon 1980 zeigte Marlene Richter in der Bielefelder Kunsthalle Arbeiten, die auf ihr Rollenverständnis als Frau hinweisen. Da begegnete der Kunstinteressierte einer Frau ohne Gesicht, die sich dem Betrachter so präsentiert, dass er die Figur erahnen kann: „Ohne Titel”. „Die Welt des B.” beispielsweise ist ein Spiegelobjekt, immer den gleichen Mann zeigend. Die Frau im Vordergrund sieht sicherlich nicht nur zufällig der Künstlerin ähnlich. Im Kontrast dazu zwei „Bikini-Bilder”, mal in bunten Farben, mal in Grau. Frauen als Schau-Objekt.
Marlene Richter war schon damals die erste Frau, die dem Berufsverband Bildender Künstler in Ostwestfalen-Lippe angehörte. Als Frau ihren Mann zu stehen, hat sie bereits am Stifts-Gymnasium in Gütersloh erlebt. Dort war sie die erste weibliche Kunsterzieherin. Ähnlich in Paris. Als Bestätigung und Anerkennung ihres Schaffens durfte sich die Einladung des französischen Künstlerverbandes in das Grand Palais werten. Die Jury des Salons wünschte sich Marlene Richter als Vertreterin der realistischen Malweise. Und sie überzeugte mit einem großen Triptychon. So hat sie gelernt, sich selbständig und selbstsicher zu fühlen, ohne die Grenzen zu übersehen, auf die sie immer wieder stößt. Doch die nimmt sie mit Humor.
Marlene Richter orientiert sich am Stil der realistischen Malerei der „Neuen Sachlichkeit”, die wir in den 20er und 30er Jahren finden. Solche Stilsuche und -erneuerung ist heute des Öfteren zu beobachten. Auch die „Neuen Wilden”, wie Prof. Murken anlässlich einer Richter-Ausstellung erklärte, haben ja ihre Vorläufer in den Expressionisten.
Neutralität und Nüchternheit finden wir auch beim Thema „Mythos Kunst am Beispiel der Werbung von Coca-Cola”. Dazu schreibt Christa Murken-Altrogge in ihrem im Wasmuth-Verlag erschienen Buch: „Auch bei der Malerin Marlene Richter wird die Coca-Cola Flasche innerhalb eines situationsbezogenen Interieurs zur atmosphärischen Verdichtung herangezogen. Es wird eine subjektive Weltsicht durch denselben Gegenstand gleichnishaft verkörpert. Bei Marlene Richter soll die Illusion der schönen Werbewelt mit der Trostlosigkeit der geschilderten Fabrikszene kontrastieren. Die Künstlerin setzt sich auch mit der äußeren, für jedermann erfahrbaren Lebensrealität auseinander.
Elmar Bamfaste




