Dr. Agnes Wenke

Ilse Dapper über Dr. Agnes Wenke:

Dr. Agnes Wenke um 1985?Schon lange hatten Freunde und Bekannte Frau Dr. Wenke gebeten, einiges aus ihren Erlebnissen mit unseren ausländischen Mitbürgern aufzuschreiben. Aber in ihrer rastlosen Tätigkeit fand sie bisher keine Zeit und Muße.

Nun, da ihre Schützlinge selbständig im Leben stehen und sich bewähren, hat sie zur Feder gegriffen.

Diese amüsanten und ernsten Geschichten sind nur eine Kostprobe aus ihrem abendfüllenden Repertoire, aus dem sie so lebendig erzählen kann. .

Fast 30 Jahre hat Frau Dr. Agnes Wenke, eine tatkräftige Münsterländerin, ehemalige Studiendirektorin am Ursulinen Gymnasium in Neheim, sich den Belangen der Gastarbeiter gewidmet.

Es begann mit dem Einsatz für die Italiener, deren Sprache sie durch mehrjährigen Aufenthalt in Italien beherrscht. 1965 waren es bereits Hilfesuchende aus fünf Nationen, die sich in allen Nöten an sie wandten. Ihre Haustürschelle ging morgens um 6 Uhr und oft noch um Mitternacht. Sie half bei der Wohnungs- und Möbelsuche, beim Ausfüllen von Papieren im Verkehr mit den Behörden und Arbeitgebern.

Besonders am Herzen lagen ihr die Kinder und ihre schulische Bildung. Auch ihre Schülerinnen wusste sie für diese soziale Arbeit zu gewinnen. In jahrelanger Hausaufgabenhilfe wurden unter ihrer Leitung ausländische Kinder von Lehrern und Schülern ehrenamtlich oder gegen geringes Entgelt betreut.

Für die Erwachsenen und ihre Familien eröffnete sie 1973 mit Hilfe der Stadt, des Caritas-Verbandes und des Diakonischen Werks das Haus International, Begegnungsstätte und Treffpunkt für alle Nationen.

Der italienische Staat verlieh ihr 1970 für ihre außergewöhnlichen Verdienste den Orden “Stella della Solidarietà”. 1976 erhielt sie von der Bundesrepublik Deutschland das Bundesverdienstkreuz und 1978 von der Katholischen Kirche die Auszeichnung “Pro Ecclesia et Pontifice”. Seit 1986 trägt sie den Ehrenring der Stadt Arnsberg.

Ilse Dapper

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Vorwort zum Buch “Lasst uns Freunde sein!”

In liebevoller Weise hat Dr. Agnes Wenke Erlebnisse von und mit Ausländern aus den Mittelmeerländern aufgezeichnet. Alltagsgeschichten, Streiflichter, und doch mehr. Man kann sich in die Lage der kleinen und großen Fremden hineinversetzen, die sich in der für sie unbekannten Welt erst zurechtfinden müssen, so lebendig sind sie geschrieben. Man lernt begreifen, daß es mit Arbeitsplatz, Wohnung und Schulbank nicht getan ist, wenn Menschen aus anderen Traditionen, mit anderen Lebensgewohnheiten und anderem Selbstverständnis in unser Land kommen. Sie brauchen Verständnis, Entgegenkommen und Anerkennung in ihrer Lebensart.

Die Autorin hat dieses Verständnis. Sie hat es in tätige Hilfe umgesetzt, sodaß sie auch andere dazu gewinnen konnte. Denn nicht selten konnte das “happy end” einer Begebenheit nur durch die engagierte Mitarbeit auch anderer erreicht werden.

Daß diese Erfahrungen zuversichtlich stimmen, ist verständlich, und solcher Zuversicht bedarf es in der Zusammenarbeit von Deutschen und Ausländern. Dennoch oder gerade deshalb muß die Frage gestellt werden, ob aus der heutigen Sicht der Schlußsatz aus der Aufzeichnung “Vorurteile” stimmt. Sind wir, - die Deutschen - inzwischen wirklich viel aufgeschlossener und menschlicher gegenüber unseren ausländischen Mitbürgern geworden?

Möchten die Geschichten dazu helfen, mehr Verständnis füreinander zu gewinnen und mehr Mitmenschlichkeit spürbar werden zu lassen.

Liselotte Funke
Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen

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So fing es an

Es hatte sich herumgesprochen: Oben am Waldesrand (am Wiedenberg in Arnsberg-Neheim) wohnt eine Lehrerin, die Italienisch spricht. Ein junges italienisches Pärchen hatte auch davon gehört. Ob sie uns wohl hilft und unsere Papiere übersetzt: Geburtsurkunde, Impfschein, Trauschein der Eltern, Staatsangehörigkeitsnachweis und Ehefähigkeitszeugnis? Dann sparen wir uns den Weg zum Konsulat, vielleicht auch die Unkosten und die lange Wartezeit. Eines Abends machen sich Rosa und Mario auf. Sie schellen recht zaghaft, aber bald öffnet die Dottoressa. Sie ist erstaunt über den ungewöhnlichen Besuch. Bald entwickelt sich ein lebhaftes Gespräch, denn die beiden können ja in ihrer Muttersprache reden. Sie schwärmen, lebhaft gestikulierend, von ihrer Heimat Sizilien, vom blauen Himmel, vom weiten Meer, von ihren Apfelsinen- und Zitronengärtchen, von der Nonna daheim in ihrem schönen Dörfchen und von der wundertätigen Madonna von Trapani. In ihrer Begeisterung vergessen sie fast, ihre Bitte vorzutragen.