Paradies in Umständen ( XXV )
Einige Tage später saß ich beim Abendbrot. Das schummerige Licht der Dochtlampe warf flackernd seine Schatten, die sich im Dunkeln des Raumes verloren.
Plötzlich bewegte sich der mürbe Vorhang, der als Fliegenschutz die Eingangstür schützte. Schwarze Hände krabbelten wie entschlossene Spinnen in dem alten Vorhang herum, bis endlich ein blütenweißes Hemd strahlend im Raum stand.
„Guten Abend“, sagte ich erschreckt und wunderte mich gleichzeitig darüber, dass ich bei meiner Muttersprache Schutz suchte. Das blütenweiße Hemd stand wie körperlos im Dämmerlicht der Petroleumlampe herum und schien mit vergnügtem Glucksen den Überraschungseffekt zu genießen.
„Kalispera“, sagte Maren amüsierte und drehte den Lampendocht höher. Das flackernde Licht gab dem Mann ein Gesicht. „Das scheint Niko zu sein. Vielleicht braucht er wieder ein Taxi.“
„Kalispera“, nickte Niko freundlich. Ich bot ihm unseren geflochtenen Strohstuhl an. Niko lächelte unschlüssig, während er unbestimmt nach draußen zeigte:
„Auto…Costa…“
„Wer ist Costa?“ fragte ich überrascht.
Kurz, Costa war Nikos Freund. Und in Miamou wurde mit Musik und Tanz ein Fest zu Ehren des „heiligen Johannes“ gefeiert. Und er, Niko, kam, um uns einzuladen.
„Und was machen wir mit Jane?“ sagte ich Maren.
Niko grinste und nahm Jane sofort auf den Arm:
„Musik gut… “ lachte er, als sei ihm seine Überraschung gelungen.
„Ich bin aber nicht „Alexis Sorbas“, wiegelte ich ab. Nikos Augen aber leuchten nur und ich wusste, dass er „Alexis Sorbas“ nicht kannte.
„Entschuldigungen im voraus gelten nicht“, sagte Maren und packte für Jane trockene Windel ein.
Costa fuhr auf dem Serpentinenweg nach Miamou sehr vorsichtig, da ein Scheinwerfer seiner klapprigen Kiste ausgefallen war. Wir waren froh, als wir in Miamou seiner Blechbüchse entsteigen durften.
„Auto kaputt“, sagte Costa gelassen und kämmte seinen verwegenen Schnurrbart.
Nun standen wir mit Niko und Costa vor dem Kafenion auf dem Dorfplatz, während unsere Begleiter mit großem „Hallo!“ dem einen oder anderen auf die Schulter klopften. Vor dem Kafenion, in dem zu Ehren des „heiligen Johannes“ gefeiert wurde, standen zahlreiche Dorfbewohner in Grüppchen herum. Sie palaverten und nuckelten an ihrer Bierflasche, während sie sich in der abgekühlten Nacht kurz von der stickigen Luft im Kafenion erholten. Einige junge Männer waren sehr Mode bewusst gekleidet. Aber die Erwartung, die aus ihren Augen sprach, wurde allmählich im Bier ertränkt.
Aus dem hell erleuchteten Kafenion schallte laut die Musik, die ihre orientalischen Wurzeln nicht verbergen konnte. An derartige Musik muss man sich vielleicht erst noch gewöhnen. Denn beim ersten, flüchtigen Hinhören klingt sie monoton oder vielleicht sogar       weinerlich. Denn diese Musik, deren Melancholie von den griechischen Flüchtlingen aus Kleinasien mitgebracht wurde, wird auch von Achtel- sowie Vierteltonschritten beherrscht, die vermutlich besonders traurig klingen.
„Ela!“ rief Niko und strahlte, „ Musik…tanzen…!“
Im Eingang zum Kafenion lauerte eine warme, wabernde Wolke aus Bier und Schweiß, während einem die immer lauter werdende Musik gegen den Kopf schlug.
 „Sesti“, lachte Costa.
„Viel warm“, grinste Niko.





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