NACHTGEDANKEN mit feuchtem Zeigefinger


Ich schreibe das, was ich gerne lesen würde. Dabei wünschte ich mir so schreiben zu können, dass das, was ich schreibe, nicht noch einmal geschrieben werden muß.

Noch habe ich Zeit meine Fragen zu stellen. Und ich suche nach den Antworten, die mich überraschen. Das macht mich glücklich. Da brauche ich keinen Moralapostel, der mir seine Worte diktiert. Mich kann man nicht auf eine Rolle festlegen. Und schon gar nicht auf das Alter. Und falls ich noch etwas zu sagen habe - das kann dauern…

Wer wollte mir also vor schreiben, was erlaubt ist oder verboten? Und wenn ich nicht mehr weiter weiß, bin ich auch nicht bereit, umgehend diese säkularisierte Welt  zu vergessen. Denn ich kann schwimmen. Und so werde ich nicht wie ein Ertrinkender atemlos nach jedem Balken grapschen - selbst wenn er behaupten würde Gott zu sein.

Ich experimentiere also weiterhin in meinem Wortlabor. Ich destilliere meine Buchstaben und mische daraus eine Essenz mit langer Halbwertzeit - wie ich hoffe. Wenn ich dann aber glaube, den Satz gefunden zu haben, den ich nicht mehr korrigieren muss, werde ich übermütig. Dann bestreiche ich mit dem feuchten Zeigefinger mein hauchdünnes Weinglas und genieße den glasklaren Klang. Auch diese Art der Vollkommenheit macht mich glücklich…

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