Das Paar

Sie zogen
An einem Strang

Leider nur

Von verschiedenen
Seiten…

 

10 Kommentare zu “Das Paar”


  1. Nicht leider, Gott sei Dank. Wenn beide an der gleichen Seite gezogen hätten, wären sie gefallen. So aber konnte bei Gleichgewichtigen das Gleichgewicht gehalten werden.

    Wünsche eine angenehme Woche
    Lyriost

  2. 2Dr. B. Denken

    Mit dieser Sentenz “Das Paar” hat der “Doc” ein Faß geöffnet! Denn über das Individuelle hinaus scheint mir das im Bild Ausgedrückte von allgemeiner Bedeutung zu sein.

    Hiermit ergeht Einladung, auf dem Philo-Sofa Platz zu nehmen. Ausgehend vom Wort des Helmuth Graf von Moltke: “Getrennt marschieren — vereint schlagen”, sollte unser Thema lauten:

    Vereint marschiert — getrennt geschlagen! Zur Entsolidarisierung unserer Gesellschaft.

    WER NIMMT ALS ERSTER PLATZ AUF DEM PHILO-SOFA?

    PS. Wem das “marschiert” zu martialisch ist, der setze an die Stelle: “auf den Weg gemacht”.

  3. 3mathias knoll

    Lieber Herr Denken,
    Da es leider schon ziemlich spät ist, ziehe ich mein Philo-sofa aus zum Chaiselongue. Auch ich habe gelegentlich das Recht mich auszuruhen. Und während ich mich gemütlich bette und von den Fernsehbildern einlullen lasse, springen meine Gedanken hin und her wie eine aufgeregte Flipperkugel. Zugegeben, meine Geistesblitze haben nur eine geringe elektrische Entladung, obwohl ich mir sicher bin das Thema : Vereint marschieren-getrennt (ge)schlagen kommt mir bekannt vor- denn schliesslich: Wer ist noch nicht geschieden? Zugegeben, noch erklärt diese diffuse Sympathie zu dem Thema nicht die Entsolidarisierung der Gesellschaft. Aber immerhin, die Gesellschaft beginnt mit Mann und Frau, wenn man nicht bei Adam und Eva anfangen will. Und die beiden hatten ja nun wirklich einen gestörten Sohn. Ich sage nur Präkariat oder besser gleich in die Psychatrie? Na ja, ich sage ja, meine Gedanken liegen in den letzten Zuckungen, bevor mich hoffentlich der Hypnos eines Besseren belehrt.
    Aber dann plötzlich werde ich kurz vor den Abendnachrichten von der Post-Bank-Werbung geweckt. Und schon strahlt mich ein Paar an - ein Mann und eine Frau. Offenbar freuen sie sich über den günstigen Zinssatz der Postbank. Und der Mann sagt:
    „Am Ende zähl ich…!“
    Und dann folgt eine kurze Pause und die Frau lächelt:
    „… und ich…!“
    Also unter Solidarität stelle ich mir etwas Anderes vor, denke ich, während ich einschlafe. Aber tief in der Nacht flüstert mir Hypnos ins Ohr: “Wer eine Scheidung nicht bezahlen kann sollte nicht heiraten…”
    Jetzt schlafe ich mich erst einmal auf dem Philo-Sofa aus und mache Morgen wieder allen Platz
    Gruß Mathias Knoll

  4. Zur “Entsolidarisierung” nur soviel: Gäbe es sie, dann hätten wir eine solidarische Gesellschaft in einer solidarischen Welt. Und dies wäre dabei, in die Brüche zu gehen. Beides hat es jedoch nie gegeben, und deshalb kann von einer Entsolidarisierung nicht ernsthaft gesprochen werden. Solidarisch sind immer nur Gruppen untereinander – und das auf Kosten anderer Gruppen. Was ich sehe, ist eine Verhärtung von Partikularinteressen stärkerer Gruppen auf Kosten von schwächeren. Und das Ganze staatlich gefördert.

    Gruß
    Lyriost

  5. 5Dr. B. Denken

    Oh doch, lieber Lyriost, es hat sie gegeben - diese solidarische Gesellschaft! Vielleicht nur ein einziges Mal, aber es hat sie gegeben! Da man anfangs nicht wußte, ob sie gelingen würde, hieß das Ganze auch “das heilige Experiment”. Gemeint sind die sog. “Jesuitenrepubliken”, die Guaraní-Reduktionen im 17.-18. Jahrhundert am Oberlauf des Paraná, im heutigen Dreiländereck Brasilien, Paraguay und Argentinien. Der erste wirkliche Sozialstaat mit 8-Stunden-Tag (!), paritätischer Vermögensbeteiligung (ein Drittel den Padres, ein Drittel der spanischen Krone und ein Drittel den Indios) und vor allem: mit “freien Verträgen”! Das heißt, die Indios kamen freiwillig und konnten gehen, wann immer sie wollten. Und sie blieben. Keiner verschwand wieder im Dschungel. Und als sie gehen mußten, haben sie die Padres unter Tränen gebeten, mit ihnen in den Dschungel zu gehen und fernab von allen Weißen ein neues Gemeinwesen zu gründen.

    Mit einem Wort: Die Existenz dieser Reduktionen war ein Skandal, war dem stets wachen Raubtierkapitalismus ein Dorn im Auge! Die Reduktionen, dieses Muster an “solidarischer Gesellschaft”, gingen, darin sind sich alle Historiker einig, an ihrem Erfolg zugrunde. Denn so augenfällig, so tiefgreifend und so erschreckend konkret ist weder vorher noch nachher das Paradies auf Erden verwirklicht worden. Das “heilige Experiment” mußte scheitern, weil die Welt unheilig war.

  6. 6Dr. B. Denken

    Lieber “Doc”,
    halten Sie nur weiterhin den Zipfel für die Lösung des Problems in Händen! - Die “Solidarität” - vom scharfsinnigen und strengen Kritiker Lyriost verneint (weil er ein heimlicher Idealist ist, der sich “ent-täuscht” von der Welt abgewandt hat), existiert nichtsdestotrotz in den durch die menschliche Natur gestatteten Grenzen: Ferdinand Tönnies hat eine solch “solidarische Gesellschaft” (ein für Lyrios offenbar “hölzernes Eisen”!) als “Gemeinschaft” bezeichnet und hat sie, das sei zugestanden, der “Gesellschaft” gegenübergestellt (1887). Tönnies hat hier einen scharfen Gegensatz ausgemacht, der schlagartig deutlich wird, wenn man der (noch zu definierenden) “Gemeinschaft” die “Gesellschaft” in Form einer “Aktiengesellschaft” gegenüberstellt und berücksichtigt, daß “Aktiengesellschaft” z. B. im Spanischen “Sociedad anónima” (”anonyme Gesellschaft”) heißt.

    Von hier ab wird es m.E. erst richtig spannend…

    (PS. In Zeile 7 ist mir ein Lapus unterlaufen: statt “solidarischer Gemeinschaft” mußte natürlich “solidarische Gesellschaft” gesetzt werden.)

  7. 7mathias knoll

    Lieber Herr Denken,
    Lieber Lyriost,
    Da sich zur Zeit die viralen Stämme eines klugen Tieres nicht im Sinne einer proklamierten Pandemie solidarisieren wollen, mich aber der Hippokrates täglich stundenlang ermahnt im Sinne meines psychosozialen Umfeldes solidarisch zu handeln, sinke ich auf mein Sofa und denke über die unsolidarischen Viren nach…
    PS
    Während ich an den morgentlichen Wecker denke, bin ich mir sicher, dass ich mich schon vor Jahren infiziert habe. Infiziert mit dem Wort-virus, der aber jetzt leider schlafen muß, damit er sich in Zukunft weiter entwickeln kann, um mich mit Ihnen zu “streiten”
    Gruß Mathias Knoll

  8. “… das Paradies auf Erden verwirklicht worden.” Lieber B. Denken, bei allem Respekt, es war sicherlich eine bemerkenswerte Leistung der Jesuiten und ein Ruhmesblatt in ihrer nicht immer ruhmreichen Geschichte, quasi über Nacht einigen hunderttausend nomadischen Indios die Seßhaftigkeit schmackhaft zu machen, indem sie sie als Menschen respektierten, und sie für christlich-utopisches Denken zu gewinnen. Für für damalige Verhältnisse waren die Strukturen erstaunlich demokratisch, aber “paradiesisch”? Nun ja. Gescheitert ist das Projekt nicht an einem ominösen Raubtierkapitalismus, sondern an der unheiligen Allianz von portugiesischen Machthabern, Kirchenoberen und Sklavenhändlern, die allesamt ihre Interessen gefährdet sahen.

    Herzlich
    Lyriost

  9. Sorry, ein “für” zu viel.

  10. 10Dr. B. Denken

    Lieber Lyriost,
    nur soviel zu unserer Kommunikation, genauer: zu dem stillschweigend Mitgemeinten. Natürlich dachte ich bei der Erwähnung des „Raubtierkapitalismus“ an die unheilige Allianz der von Ihnen Genannten, die diesem Garten Eden – jawohl, dem „Paradies“ (im Vergleich zur Verelendung in den Recomiendas )! – den Garaus machten.

    Ich nehme die Gelegenheit wahr, eine Stimme der nachgeborenen Guaraníes zu zitieren, die den „Weißen Vätern“ ein würdiges Denkmal setzt:

    Utópicos (sc. los jesuitas) o no, fue grande su sinceridad y sublime su sacrificio.

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